Bangladesch! Man hört so einiges, aber man versucht unvoreingenommen zu sein. Als ich jedoch aus dem Flughafengebäude in Dhaka raus gehe fällt mir die hohe Anzahl der Militär und Sicherheitskräfte auf. Irgendetwas scheint hier wirklich nicht zu stimmen.
Mein Fahrer bringt mich zu einem Hotel, die Fahrt ist wie immer Gewöhnungsbedürftig. Hupend und drängelnd schieben wir uns durch den Verkehr ohne Rücksichtnahme auf Busse, LKWs, Rikschas oder Fußgänger, für mich allerdings neu ist es das ganze zum erstenmal im Linksverkehr zu erleben. Mein rechtes Bein ist die ganze Zeit angespannt als würde ich mit bremsen können.
Das Hotel, the Advocat, macht einen sauberen und gepflegten Eindruck, der Hotelboy erklärt mir nur, das derzeitig Stromausfall ist und deshalb Fernsehen und Klimaanlage nicht gehen . Ich erledige ein paar Telefonate, um in Erfahrung zu bringen wie es jetzt weiter geht. Mir wird gesagt, das ich morgen früh um 5Uhr abgeholt werde. Der Strom kommt für einige Zeit und geht dann auch wieder, ich werde diese Nacht auch ohne Klimaanlage überstehen.
Pünktlich um 5Uhr bin ich abfahrbereit, mein Projektleiter kommt mit einem Geländewagen und einem Fahrer und holt mich ab. Mir kommt es vor als ob Dhaka keine Hauptstrassen hat, wir quengeln uns durch kleine Gassen bis wir dann die Ausfahrstrasse erreichen, es dämmert so langsam und ich kann zum erstenmal das ganze Elend sehen, die Strassen sind schmutzig und die Häuser von außen schwarz von der stockenden Feuchtigkeit.
Mein Projektleiter sagt mir einen Satz, der mir in den nächsten Tagen nicht mehr aus dem Kopf gehen soll, und den ich immer wieder bestätigt sehe: „Es ist nicht zu fassen wie wenig Gefühl diese Moslems für Hygiene haben!“
Auf der Landstrasse raunzt mein Projektleiter den Fahrer an, dass er gefälligst ein bisschen vorsichtiger fahren soll, bis wir in Mymensingh ankommen, werden wir an 2 Unfällen vorbei fahren.
Es beginnt zu regnen, am Straßenrand steht das Wasser, oder besser gesagt der Schlamm und Müll, die schmeißen hier alles einfach achtlos hin, und alles verrottet in einer stinkenden schwarzen Masse neben der Strasse. Ich sehe Kinder in den Dörfern an denen wir vorbei fahren rum toben, Kinder die eigentlich zu dieser zeit in der Schule sein sollten, aber irgendwoher müssen die 80% Analphabeten in diesem Land ja kommen.
Als wir dann endlich das Kraftwerk erreichen durchlaufen wir Sicherheitskontrollen, die mich nicht wirklich überzeugen. Ich werde in einem Container untergebracht, in dem noch ein Holländer sitzt. Ich schätze ihn auf Mitte bis Ende 40, zumindest hört er die gleich Musik wie meine große Schwester, bevor sie ausgezogen ist. Alle Leute hier auf der Baustelle sind am jammern und am stöhnen, gut das ist nichts außergewöhnliches. Es kommt mir nur so vor, als ob dort eine Gemeinsamkeit zu erkennen ist, sie alle scheinen Probleme mit den Zuständen in diesem Land zu haben.
Wie ich erfahre, werden diejenigen, die länger hier auf der Baustelle im Einsatz sind alle 6 Wochen wieder nach Hause geflogen, damit sie sich erholen können. Dadurch wird natürlich auch der Baufortschritt erheblich gebremst. Zusätzlich ist dieses Land sehr korrupt und es dauert entsprechend lange und kostet viel Geld, um sein Material aus dem Zoll zu bekommen.
Nach einigen Tagen gewöhnt man sich an den Trott, jedoch nicht an dieses knüppelharte Bett, oder besser gesagt, das Brett mit der durchgelegenen Matratze drauf. Auch nicht an diese merkwürdigen Holländer, irgendwie sind die doch von einem anderen Planeten! Jeden morgen warten Kinder und Frauen vor unserem Hotel und hoffen darauf, das wir ihnen ein paar Kekse oder Bananen zustecken, alle sind nur spärlich bekleidet, selbst die Frauen haben nur einen Lumpen am Leib der ihnen nicht mal alles bedeckt. Als die Kinder sich vor Hunger um die Kekse gestritten hatten, die ihnen der eine Holländer hin gehalten hatte, hat er sie wieder weg genommen. Vorher hatte er noch die kleinen Seifenstückchen verteilt, die es jeden Tag neu im Zimmer gibt, der Typ ist echt völlig daneben!
Der Ramadan beginnt und alles was vorher noch halbwegs ging kommt zum erliegen, die Menschen sind noch lustloser geworden. Es gehen noch zwei Wochen ins Land, dann muss ich ausreisen, weil mein Visum nur für 3 Wochen gültig war, ich frage mich, gegen was sich dieses Land, wo es nun wirklich nichts zu holen gibt damit schützen will?
Auf der Fahrt nach Dhaka komme ich wieder an den Reisfeldern vorbei, und ich kann mir nicht helfen, aber in Vietnam sieht das alles viel sauberer und ordentlicher aus. Teilweise trocknen sie den Reis auf dem Boden und verteilen ihn mit den Füßen...na lecker! Auch die Gräben und Tümpel, die zur Bewässerung der Reisfelder notwendig sind erinnern mich ehr an schmuddelige Ententeiche, als an eine Wasserquelle, die man zur Nahrungserzeugung nutzen kann.
Die Hauptstadt Dhaka erinnert mich dann ein wenig an den Basar in Abu Dhabi, jedoch an den abgebrannten Teil. Viele Häuser sehen aus, als wären sie nicht fertig geworden. Auf den Dächern ragen immer noch Betonpfeiler empor, aus denen Baustahl hängt. Die Etagen darunter scheinen allerdings schon bewohnt zu sein. Der Reichtum von Bangladesh ist das Leben an sich. Die Menschen pflanzen sich fort ohne irgendeine Aussicht auf Zukunft. Auch die Natur scheint überall zu wuchern. Mächtige Bäume und Büsche sieht man in den Vorgärten, man hat den Eindruck, es wird nicht lange dauern und Dhaka sieht aus wie eine verwunschene Tempelstadt in irgendeinem Indianer Jones Film.
Wenn man so wie ich mit dem Auto durch die Stadt fährt, fällt einem immer wieder dieser Verkehr auf, wo es scheinbar nur die Regel des Stärkeren gibt. Sie ist deutlich an den Bussen und Autos in unzähligen Beulen und Schrammen geschrieben. Sobald man dann an einer größeren Kreuzung zum stehen kommt, klopfen auch gleich Leprakranke oder verkrüppelte Menschen ans Fenster um zu betteln. Es ist besser man gibt ihnen nichts, denn das Ganze hat System. Allah schreibt jeden Menschen vor, das er arbeiten muss. Es sei denn er ist verkrüppelt und kann nicht arbeiten, dann darf er betteln. So geht es in diesem Land den verkrüppelten wesentlich besser als den Armen.
Am Montag Morgen geht es endlich zum Flughafen. Davor stehen mal wieder unzählige Menschen. Alle klopfen sie mir auf die Schulter und wollen sich von mir verabschieden, finde ich aber nett von denen! Manche möchten vor lauter Freude sogar mein Gepäck tragen. Da aber immer noch Ramadan ist, und diese Wichte so verhungert aussehen trage ich mein Gepäck lieber selbst, bevor mir so einer noch hier darunter zusammen bricht.
Der Flughafen von Dhaka bezaubert mit einer Schlichtheit, die man sonst nur von Tripolis in Libyen oder vielleicht noch Nirschnykamps, welches kurz vor dem Ural liegt, her kennt. Die Dutyfreeshops sind ..sagen wir mal recht übersichtlich. Also nix wie ab ins Flugzeug und weg hier!